Einsatzgebiete

Das VADEMECUM wurde konzipiert für Kinder an der Grenze zur „normalen“ Entwicklung (sogenannte Risikokinder), mit Normen zwischen 3 – 30 Entwicklungsmonaten. Die Entwicklung wird durch die Eltern oder andere Bezugspersonen beobachtet und festgehalten. Studie

  • Das VADEMECUM bietet zuverlässige und valide Daten über Entwicklungsstand und Entwicklungs- potential eines Kindes.
  • Das VADEMECUM unterstützt Fachpersonen in der Hypothesenbildung bezüglich Körperfunktionen, Aktivitäten und Teilhabe im Sinne der ICF-CY.
  • Das VADEMECUM ist jedoch kein medizinisches Diagnoseinstrument.

Zusätzliche Effekte beim Einsatz des VADEMECUM:

  • Das VADEMECUM gibt den Eltern eine Sprache den Fachpersonen gegenüber.
  • Das VADEMECUM fördert die Feinfühligkeit von Müttern und Vätern.
  • Das VADEMECUM ebnet allen Beteiligten im Sinne des Empowerments den Weg zu verantwortlichem Handeln in Kooperation.
  • Das VADEMECUM erhöht die Akzeptanz und Tragfähigkeit von Abmachungen und Massnahmen.
  • Das VADEMECUM unterstützt interdisziplinäre Absprachen und erweitert diese um die elterliche Wahrnehmung ihres Kindes.

Fachpersonengruppen aus verschiedenen Berufsfeldern arbeiten mit dem VADEMECUM

  • Kinderärztliche Praxis
  • Heilpädagogische Früherziehung / Frühförderung
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Unterstützte Kommunikation
  • Mütterberatung
  • Erziehungs- oder psychologische Beratung
  • Kindertagesstätte / Kinderkrippe
  • Mutter-Kind-Institutionen
  • Organisationen für Familien im Migrationsbereich

Erweiterte Einsatzgebiete

Das VADEMECUM wird ebenfalls als Beobachtungsinstrument innerhalb von sozialen oder pädagogischen Institutionen ohne Beteiligung der Eltern angewendet, häufig auch bei Kindern mit schwerer Beeinträchtigung bis zu einem Entwicklungsalter von vier Jahren:

  • In Spielgruppen, Kinderkrippen und Kitas beobachten Fachpersonen Kinder direkt. Sie erhalten so Hinweise über deren Entwicklung und die stimmige Art ihrer Begleitung.
  • Praktikantinnen und Praktikanten werden durch die direkte Beobachtung über frühkindliche Entwicklung weitergebildet.
  • In Sonderschulen erhalten Lehrpersonen, Erzieherinnen und Erzieher oder Sozialarbeitende mithilfe der eigenen Beobachtungen Informationen für die Teilhabe- oder Förderplanung.
  • Coaching- und Beratungsbeauftragte in Sondereinrichtungen (z.B. für Unterstützte Kommunikation, TEACCH, ASS-Störungen) bewegen Erzieherinnen, Lehrpersonen und/oder Therapeuten dazu, mit Hilfe des VADEMECUM zu beobachten, um Hinweise auf Fördernotwendigkeiten oder Entwicklungs- potentiale eines Kindes zu erhalten oder diese Begleitpersonen für kindliche Bedürfnisse zu sensibilisieren.

 

Der Einsatz des VADEMECUM in den drei Bereichen der Prävention:

1. Begleitung des Entwicklungsprozesses (primäre Prävention)

Das VADEMECUM wird hier eingesetzt ohne konkreten Verdacht auf Entwicklungsbeeinträchtigung. Eine quantitative und qualitative Analyse der Beobachtungen gibt Einsicht darüber, welche altersgemässen Handlungen ein Kind ausübt. Dies kann im begleitenden Gespräch zu Ideen und Anregungen für den konkreten Umgang mit dem Kind im Alltag führen oder es dient der Beruhigung von Eltern und Fachperson: „Es scheint alles in Ordnung zu sein“.

Es handelt sich um:

  • Stärkung von elterlichem Beziehungs- und Erziehungshandeln.
  • Sensibilisierung von Müttern, Vätern oder anderen Bezugspersonen für die kindliche Entwicklung und für ein Hinschauen ohne voreiliges Eingreifen.
  • Sicherheit für Eltern oder begleitende Fachpersonen betreffend optimaler Entwicklung.
  • Orientierung für Bezugspersonen über – in unserem Kulturkreis – zu erwartende Entwicklungsschritte und Handlungskompetenzen bei Kleinkindern.

Durch das VADEMECUM finden Eltern zu einer eigenen Sprache in der Angelegenheit, in der sie die eigentlichen Experten sind: die Alltagshandlungen ihrer Kinder.

Einen besonderen Vorteil bieten dabei die Übersetzungen in verschiedene Sprachen.

Einsatzbereiche:

  • Risikokinder (schwere oder Frühgeburten, Kinder mit Stoffwechselerkrankungen)
  • Unsichere Mütter (z.B. Mütter von Erstgeborenen, Mütter mit einem älteren behinderten Kind)
  • Überbehütende und stark fordernde Eltern oder Bezugspersonen
  • Familien aus anderen Kulturen
  • Familien in Armutslagen
  • Elternteile, die unter psychischen Störungen leiden
  • Elternteile mit wenig Feinfühligkeit für ihr Kind
  • Väter und Mütter, die ihren Blick auf ihr Kind ändern möchten

2. Früherkennung von Beeinträchtigungen und Schädigungen (sekundäre Prävention)

Das VADEMECUM wird eingesetzt bei Verdacht auf Entwick­lungsverzö­gerung oder -ge­fährdung. Dieser erste Verdacht kann sich auf eine allgemeine Entwicklungsverzögerung unklarer Genese, auf eine Sinnes- oder motorische Schädigung, auf eine emotionale oder geistige Beeinträchtigung beziehen.

Einsatzbereiche:

  • Ein Elternteil hegt den Verdacht, die kindliche Entwicklung entspreche nicht den Erwartungen.
  • Eine Fachperson möchte die Eltern für ihren eigenen Verdacht sensibilisieren.
  • Alle Beteiligten sind unsicher, möchten nicht untätig abwarten und wenden für mehr Gewissheit das VADEMECUM an, möglicherweise über längere Zeit, um einen Verdacht auszuschliessen oder zu erhärten.

3. Begleitung bei therapeutischen oder pädagogischen Massnahmen (tertiäre Prävention)

Das VADEMECUM wird eingesetzt bei Kindern mit diagnostizierter Schädigung, Entwicklungs- verzögerung oder mit einer Einschränkung der Körperfunktion. Die Entwicklung dieser Kinder wird beobachtend begleitet.

Das ermöglicht:

  • Einbinden der Frage nach Aktivitäten und Partizipation im Sinne der ICF-CY in die Entwicklungsbegleitung.
  • Rechtzeitiges Vorbeugen von Folgebehinderungen oder Entwicklungsabweichungen.
  • Evaluation der Wirksamkeit von pädagogischen oder therapeutischen Massnahmen.
  • Kontinuierliches und konsequentes Einbinden der elterlichen Wahrnehmung des Kindes in die fachlichen Überlegungen.
  • Einstellungs- und Haltungsveränderung gegenüber einem Kind im Laufe der Zeit.
  • Erhöhen des Engagements aller Beteiligten.

Einsatzbereiche:

  • Kinder mit einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung oder mit kognitiver Beeinträchtigung.
  • Kinder mit festgestellter Beeinträchtigung der Bewegung (körperliche Behinderung, motorischer Entwicklungsrückstand), der Sinne (Hör- oder Sehbeeinträchtigung).
  • Kinder mit Beeinträchtigung der Kommunikation, Interaktion und/oder Emotion.