Einsatzgebiete

Das VADEMECUM wurde konzipiert für Kinder an der Grenze zur „normalen“ Entwicklung (sogenannte Risikokinder), mit Normen zwischen 3-30 Entwicklungsmonaten – die Beobachtungspunkte decken ein Entwicklungalter bis zu 4 1/2 Jahren ab. Die Entwicklung wird durch die Eltern oder andere Bezugspersonen beobachtet und festgehalten. Studie

  • Das VADEMECUM bietet zuverlässige und valide Daten über Entwicklungsstand und Entwicklungs- potential eines Kindes.
  • Das VADEMECUM unterstützt Fachpersonen in der Hypothesenbildung bezüglich Körperfunktionen, Aktivitäten und Teilhabe im Sinne der ICF-CY.
  • Das VADEMECUM ist kein Instrument für medizinische Diagnostik.

Zusätzliche Effekte beim Einsatz des VADEMECUM:

  • Das VADEMECUM fördert die Feinfühligkeit von Müttern und Vätern.
  • Das VADEMECUM dient der Vertrauensbildung in Gleichwertigkeit und ebnet den Beteiligten einen Weg zu verantwortlichem Handeln in Kooperation.
  • Das VADEMECUM erhöht die Akzeptanz und Tragfähigkeit von Abmachungen und Massnahmen.
  • Das VADEMECUM ermöglicht den Eltern, in ihrer eigenen Sprache mit Fachpersonen zu kommunizieren.
  • Das VADEMECUM unterstützt interdisziplinäre Absprachen und erweitert diese um die elterliche Wahrnehmung ihres Kindes.
  • Das VADEMECUM ist zeitökonomisch: es verteilt die diagnostische Aufgabe auf verschiedene Schultern. In der digitalen Version verkürzt sich der administrative Aufwand für Auswertung und Dokumentation um etwa den Faktor 5.

Fachpersonengruppen aus verschiedenen Berufsfeldern arbeiten mit dem VADEMECUM

  • Kinderärztliche Praxis
  • Heilpädagogische Früherziehung / Frühförderung
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Unterstützte Kommunikation
  • Mütterberatung
  • Erziehungs- oder psychologische Beratung
  • Kindertagesstätte / Kinderkrippe
  • Mutter-Kind-Institutionen
  • Organisationen für Familien im Migrationsbereich
  • Insitutionen der Behindertenhilfe

Erweiterte Einsatzgebiete

Das VADEMECUM wird ebenfalls als Beobachtungsinstrument innerhalb von sozialen oder pädagogischen Institutionen ohne Beteiligung der Eltern angewendet, häufig auch bei Kindern mit schwerer Beeinträchtigung bis zu einem Entwicklungsalter von vier Jahren:

  • In Spielgruppen, Kinderkrippen und Kitas beobachten die Bezugspersonen die Kinder. Sie erhalten so Hinweise über deren Entwicklung und die stimmige Art ihrer Begleitung.
  • Praktikantinnen und Praktikanten werden durch die direkte Beobachtung über frühkindliche Entwicklung weitergebildet.
  • In Sonderschulen oder Wohnheimen erhalten Lehrpersonen, Erziehende oder Sozialpädagogen/innen Informationen für ihre Teilhabe- oder Förderplanung.
  • Coaching- und Beratungsbeauftragte in Sondereinrichtungen (z.B. für Unterstützte Kommunikation, TEACCH, ASS-Störungen) bewegen Erzieherinnen, Lehrpersonen und/oder Therapeuten dazu, mit Hilfe des VADEMECUM zu beobachten, um Hinweise auf Fördernotwendigkeiten oder Entwicklungspotentiale eines Kindes zu erhalten oder diese Begleitpersonen für kindliche Bedürfnisse zu sensibilisieren.

 

Der Einsatz des VADEMECUM in den drei Bereichen der Prävention:

1. Begleitung des Entwicklungsprozesses (primäre Prävention)

Das VADEMECUM wird hier eingesetzt ohne konkreten Verdacht auf Entwicklungsbeeinträchtigung. Eine quantitative und qualitative Analyse der Beobachtungen gibt Einsicht darüber, welche altersgemässen Handlungen ein Kind ausübt. Dies kann im begleitenden Gespräch zu Ideen und Anregungen für den konkreten Umgang mit dem Kind im Alltag führen oder es dient der Beruhigung von Bezugspersonen und/oder Fachperson: „Es scheint alles in Ordnung zu sein“.

Es handelt sich um:

  • Stärkung von elterlichem Beziehungs- und Erziehungshandeln.
  • Sensibilisierung von Müttern, Vätern oder anderen Bezugspersonen für die kindliche Entwicklung und für ein Hinschauen ohne voreiliges Eingreifen.
  • Sicherheit für Eltern oder begleitende Fachpersonen betreffend optimaler Entwicklung.
  • Orientierung für Bezugspersonen über – in unserem Kulturkreis – zu erwartende Entwicklungsschritte und Handlungskompetenzen bei Personen im Kleinkindalter.

Durch das VADEMECUM finden Eltern oder Bezugspersonen zu einer eigenen Sprache in der Angelegenheit, in der sie die eigentlichen Experten sind: die Alltagshandlungen der ihnen anvertrauten Kinder oder Jugendlichen mit schweren Beeinträchtigungen.

Einen besonderen Vorteil bieten dabei die Übersetzungen in verschiedene Sprachen.

Einsatzbereiche:

  • Risikokinder (schwere oder Frühgeburten, Kinder mit Stoffwechselerkrankungen)
  • Unsichere Mütter (z.B. Mütter von Erstgeborenen, Mütter mit einem älteren behinderten Kind), unsichere Bezugspersonen (Neueinsteiger/-innen im Beruf, Praktikant/-innen)
  • Überbehütende und stark fordernde Eltern oder Bezugspersonen
  • Familien aus anderen Kulturen
  • Familien in Armutslagen
  • Elternteile, die unter psychischen Störungen leiden
  • Elternteile mit wenig Feinfühligkeit für ihr Kind
  • Väter und Mütter oder andere Bezugspersonen, die ihren Blick auf das Kind/die Person ändern möchten

2. Früherkennung von Beeinträchtigungen und Schädigungen (sekundäre Prävention)

Das VADEMECUM wird eingesetzt bei Verdacht auf Entwick­lungsverzö­gerung oder -ge­fährdung. Dieser erste Verdacht kann sich auf eine allgemeine Entwicklungsverzögerung unklarer Genese, auf eine Sinnes- oder motorische Schädigung, auf eine emotionale oder geistige Beeinträchtigung beziehen.

Einsatzbereiche:

  • Ein Elternteil oder eine Bezugsperson hegt die Befürchtung, die kindliche Entwicklung entspreche nicht den Erwartungen.
  • Eine Fachperson möchte die Eltern der andere Bezugspersonen für ihren eigenen Verdacht sensibilisieren.
  • Alle Beteiligten sind unsicher, möchten nicht untätig abwarten und wenden für mehr Gewissheit das VADEMECUM an – möglicherweise über längere Zeit – um einen Verdacht auszuschliessen oder zu erhärten.

3. Begleitung bei therapeutischen oder pädagogischen Massnahmen (tertiäre Prävention)

Das VADEMECUM wird eingesetzt bei Kindern oder Jugendlichen mit diagnostizierter Schädigung, Entwicklungsverzögerung oder mit einer Einschränkung der Körperfunktion. Die Entwicklung dieser Personen wird beobachtend begleitet.

Das ermöglicht:

  • Einbinden der Frage nach Aktivitäten und Partizipation im Sinne der ICF-CY in die Entwicklungsbegleitung.
  • Rechtzeitiges Vorbeugen von Folgebehinderungen oder Entwicklungsabweichungen.
  • Evaluation der Wirksamkeit von pädagogischen oder therapeutischen Massnahmen.
  • Kontinuierliches und konsequentes Einbinden der Wahrnehmung der Bezugspersonen in die fachlichen Überlegungen.
  • Einstellungs- und Haltungsveränderung gegenüber einem Kind/einer Person.
  • Erhöhen des Engagements aller Beteiligten.

Einsatzbereiche:

  • Kinder/Personen mit einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung oder mit kognitiver Beeinträchtigung.
  • Kinder/Personen mit festgestellter Beeinträchtigung der Bewegung (körperliche Behinderung, motorischer Entwicklungsrückstand) oder der Sinne (Hör- oder Sehbeeinträchtigung).
  • Kinder/Personen mit Beeinträchtigung der Kommunikation, Interaktion und/oder Emotion.